Fortsetzung von hier…
Seit über einem Jahr quälen mich zeitweise heftige Kopfschmerzen, also beschloss ich, doch mal zum Arzt zu gehen. Mein Verdacht, dass ich unter Migräne leide, hat sich leider erhärtet. Und einen zu hohen Blutdruck habe ich auch. Glücklicherweise gibt’s Betablocker, die den Blutdruck senken und zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden. Jetzt geht’s mir wieder deutlich besser.
Aber als ich beim Neurologen war, fragte der mich, ob sich innerhalb des letzten Jahres irgendetwas in meinem Leben total verändert hat, ob ich unter hohem Stress leide. Nun ja, die Firma meines Chefs wäre letztes Jahr fast verhungert, das nimmt einen doch schon ein wenig mit, aber ich bezweifele, dass das der alleinige Grund sein sollte. Schließlich regt mich einiges in meinem Leben deutlich mehr auf. Oder besser gesagt, einige Leute in meinem Umfeld, oder einfacher: meine Nachbarn.
Die haben es doch tatsächlich geschafft, meine Nerven zu zerreißen. Wie ich ja schon in zwei vorherigen Artikeln erwähnte, genießen sie immer noch das Herumtrampeln auf ihrem falsch verlegten Laminatfußboden. Aber ich bin ja mittlerweile schon so weit, dass es mich nur noch peripher aufregt. Was deutlich zugenommen hat, ist das Ausschütteln ihrer Decken und Handtücher aus dem Fenster. Ist ja eigentlich nichts gegen ein gelegentliches Lüften der Decken zu sagen. Richtig! Ist zwar laut unserer Hausordnung verboten, aber man drückt ja doch hin und wieder mal zwei Augen zu. Nur handhaben das die Herrschaften mittlerweile so, dass gegen 06:45 Uhr in der Frühe mit den Bettdecken angefangen wird. Nicht nur, dass ich da noch schlafe, sondern das zieht sich bis in die frühen Abendstunden hin. Handtücher, Pullover, Socken, Kissen, einfach alles wird aus dem Fenster ausgeschüttelt. Immer schön in meine Fliegenfenster, die mittlerweile oben eingerissen sind. Alles durchzogen von Geräuschen von Stühlen, die über den Boden gezogen werden, dem Staubsauger, der mit Gewalt in jede Ecke kommen muss und dem herrlichen Getrampel ihrer Badelatschen auf dem Laminat. Sofern dann gegen 20:00 Uhr mal ein wenig Ruhe einkehrt, entschließen sie sich teilweise, dem Musizieren auf ihrer Trommel zu frönen. Und zum krönenden Anschluss (21:30 Uhr) wird dann noch einmal, bevor das Schlafsofa “fallen gelassen” wird, der Boden in der Wohnstube mit einer Art Schrubber gereinigt. Danach schlafen die Herrschaften, aber bestimmt nur, damit sie um fünf in der Frühe rechtzeitig zu ihrem Allah beten können und mich anschließend wieder mit der Bettdecken-Arie wecken..
Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich einfach nur zu empfindlich bin.
Mein Hasi meint, ich müsste doch einfach mal drei Tage in Bagdad verbringen, damit ich wüsste, was wirklich Lärm bedeutet. Mir ist auch klar, dass die südländische Mentalität nicht unbedingt mit Ruhe in Verbindung gebracht wird. Allerdings hat man in Bagdad nicht unsere Hausordnung. Immerhin haben sich damals (hoffentlich) kluge Leute zusammengesetzt und einen Konsens erarbeitet, mit dem ein Miteinander gestaltet werden kann. Tja, nur leider scheißen wohl gerade meine Nachbarn drauf. Reden hilft ja auch nicht. Im Gegenteil, man wird beschuldigt, selbst Krach zu verursachen… Scheint wohl also eher so zu sein, dass meine Nachbarn alle im Kuhstall aufgewachsen sein müssen.
Und dann fragt mich der Arzt, was mich aufregen könnte…
Ich geh mich jetzt ärgern. 